E-Mobilität, ein Segen für alle?

14. September 2018 // von Alex Neurießer

Der Hochsommer scheint vorüber, die Klimaanlagen machen Pause – die beste Zeit also für Reichweitenrekorde, also gleich eingeben.

Aber mir liegt diesmal noch etwas anderes am Herzen:

Die e-Mobilität ist für viele von uns ein Segen, ermöglicht völlig neue Möglichkeiten. Wir können plötzlich auf Gewässern mit Booten oder elektrischen Surfboards fahren, auf denen das Fahren mit von Verbrennungsmotoren betriebenen Fahrzeugen verboten war. Wir fahren mit e-Mountainbikes oder elektrisch angetriebenen Trial Motorrädern in den Wald, wir benutzen mit dem elektrischen Auto mancherorts die Busspur, haben eigene Parkplätze, erhalten Vergünstigungen und Zuschüsse, zahlen in manchen Ländern keine KFZ Steuer, etc.

Das ist toll!

Aber wie lange bleibt das so?

Nun, das hängt natürlich vor allem von der Menge ab, davon wie viele elektrischen Fahrzeuge unterwegs sind. Und es werden mehr, je günstiger sie werden und je besser die Batterien, je mehr User wird es geben. Naheliegend, dass da der Gesetzgeber wieder Riegel zumachen wird, Vergünstigungen wegfallen werden, Steuern eingehoben werden.

Nur weil bis jetzt keine Motorboote am Neusiedlersee gefahren sind und dies jetzt möglich ist, werden nicht alle in diesen Genuss kommen. Die Anzahl wird beschränkt werden, da ansonsten schlicht und einfach die verträgliche Kapazität überschritten wird.

Damit bin ich beim zweiten wichtigen Grund, warum das nicht so bleiben wird, wie oben erwähnt. Nämlich der Verträglichkeit.

Und dafür können wir sehr viel beitragen. Wenn wir mit unsren potenten e-Mountainbikes nun nicht nur bergab wie die Wilden durch die Wälder pflügen, sondern auch bergauf rasen, dann wird es unter dem „Fußvolk“ welche geben, die sich in Ihrer Ruhe gestört fühlen. Wenn wir als Besitzer von e-Autos gegenüber der schlagenden Mehrheit der Teilnehmer im Straßenverkehr keine Kollegialität beweisen, wird das zu Konsequenzen führen. Ist es wirklich notwendig jeden Porsche beim Ampelstart zu demütigen? Ein gegenseitiges Daumen hoch, Anerkennung des guten Sounds und der guten Beschleunigung würde Respekt voreinander erzeugen. Und Neugierde auf das Elektrofahrzeug, nicht Ablehnung, oder Neid. Wenn wir mit elektrischen Surfboards möglichst nahe dem Ufer unser Können allen anderen Badegästen demonstrieren, dann müssen wir damit rechnen, dass sich einige gestört fühlen, Angst beim Schwimmen haben, etc.

Wenn wir hingegen weiter draußen fahren, um dann vorsichtig und achtsam anzulanden, werden wir Interesse am Gerät wecken.

Wisst Ihr noch, wo man vor 20 Jahren überall Jetski fahren konnte? Heute ist das Geschichte, die ich meinem Sohn als Anekdote erzählen kann, weil fast überall verboten.

Warum? Weil die Jetskifahrer in ihrer ganzen Lässigkeit übersehen haben, dass andere bei der Ausübung ihres „In“ Sportes gestört wurden. Und zwar so lange, bis der Gesetzgeber reagieren musste.

Ich weiß, dass viele Nutzer von elektrischen Fahrzeugen einfach nur von A nach B wollen, oder etwas Spaß mit ihren Funtoys haben. Ich habe aber leider auch schon welche gesehen, die mich sehr frappant an die Jetskifahrer erinnern.

Daher mein Appell an Euch: Bedenkt bei jeder Ausfahrt, bei jeder Handlung, dass Ihr nicht die Mehrheit seid. Miteinander funktioniert es wesentlich besser. Nehmt Rücksicht im Straßenverkehr und vor allem auf dem Wasser oder im Wald, wo andere Menschen Ruhe in der Natur suchen. Ich habe keine große Hoffnung, aber vielleicht gelingt es ja dann doch, dass einige Privilegien weiterhin erhalten bleiben.

Und nicht vergessen – Deine persönliche größte Reichweite interessiert auch die anderen!

 

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